Einstieg Zukunft 2017-01

Vorwort

Eeigentlich soll man sich als Journalist mit den eigenen persönlichen Geschichten ja etwas zurückhalten. Aber in der zehnten Ausgabe der ZUKUNFT ist es vielleicht doch einmal erlaubt...
Deshalb: Wie lief das bei mir mit der Berufs- und Studienorientierung? Schreiben – das hab ich schon in der Schule gern gemacht. Die ersten eigenen Geschichten mit neun, die erste eigene Schülerzeitung mit 15, später dann Gedichte. Aber deshalb Journalist werden?
Nach der Abiturprüfung hatte ich einen langen Ferienjob in einer Gießerei. Mein Chef wollte mir ein Studium der Gießereitechnik als Werkstudent schmackhaft machen. Während des damals noch notwendigen Zivildienstes habe ich psychisch kranke Menschen betreut. Das war spannend! Also vielleicht ein Psychologiestudium oder eine Ausbildung zum Ergotherapeuten? Außerdem faszinierten mich die Romane von John Grisham, dessen verwegene Anwaltsfiguren – wäre Jurist nicht demnach auch eine Option? Und meine Familie steckt voller Lehrer, Erzieher, Pädagogen: Müsste ich mich da nicht anschließen?
Irgendwann war die Zeit reif, mich zu entscheiden. Ich wählte eine „sichere“ Variante, die vielen Interessen entgegenkam: Lehrer für Deutsch und Ethik. Da konnte ich im Studium lesen, schreiben, philosophieren. Daneben arbeitete ich als studentische Hilfskraft an der Uni, aber auch als Kabelträger bei Fernsehshows, in einer Lackiererei, bei Pressestellen, als Fahrzeugüberführer, in einem Studentenclub und immer wieder für Studentenzeitungen und andere Medien, ganz nach dem Motto: Probieren geht über Studieren. Achja, ein Praktikum als Lehrer an einem Gymnasium habe ich auch gemacht. So richtig war das dann aber doch nichts für mich.
Stattdessen: die Selbstständigkeit als jemand, der ganz gut schreiben kann. Seit mehr als zwölf Jahren mache ich das jetzt. Schwierig? Mitunter. Aufregend? Oft. Interessant? Fast immer. Irgendein Grund, der Sicherheit des Lehrerberufs nachzutrauern? Nie!
Was kann Dir meine Geschichte erzählen? Es ist okay, viele Möglichkeiten zu überdenken – zum Glück bietet die Welt so viele Chancen. Du solltest in Dich hineinhorchen, welche Optionen für Dich das beste Mischungsverhältnis aus Sicherheit, Interesse, Geld oder Heimatnähe bereithalten. Und: Auch wenn die Zukunft mit einer Berufs- oder Studienwahl für immer vorgezeichnet scheint: Sie ist es nicht. Regelmäßig bieten sich in der Zukunft Abzweige, um ganz andere Wege einzuschlagen.
Dieses Magazin ist deshalb vor allem eines, das Angebote machen will: Es zeigt Optionen nach dem Schulabschluss, stellt mögliche Ausbildungsbetriebe vor, präsentiert alternative Lebenswege, gibt Tipps und Hinweise für „die Zeit danach“, wenn nicht mehr Eltern oder Lehrer Dein Leben strukturieren, sondern Du selbst.
Diese Verantwortung für Deine Zukunft kann Dir niemand nehmen. Sie ist gleichermaßen Last und Lust. In Deiner Hand liegt es, welcher Teil davon überwiegt.
Viele Menschen stehen Dir zur Seite: Freunde, Eltern, Verwandte, Lehrer, Experten. Doch am Ende bist Du es, der entscheidet, was Du werden willst. 
Habe Mut!     
    
Volker Tzschucke
für die Redaktion ZUKUNFT

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