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Überschrift WBErz2011

Im Interview: Landrat Frank Vogel
Innovative Ideen made in ERZ

Einstieg WBErz2011

Editorial

Der Wirtschaftsstandort Erzgebirge steht für Branchenvielfalt, Ideenreichtum und Wachstum. Hier leben und arbeiten etwa eine halbe Million Menschen. Über die Themen Innovationen und Zukunft sprach Ariane Grund mit Landrat Frank Vogel.

Welche innovativen Ideen und Produkte kommen aus dem Landkreis?
Frank Vogel: Da gibt es eine Fülle an Firmen. Wir können zum Beispiel die Technoplast GmbH aus Neudorf anschauen. Die Firma gilt als Marktführer bei der Herstellung von Ladestationen für Elektroautos. Die Wärmetauscher Sachsen GmbH in Olbernhau hat 2010 den Innovationspreis für das erste luftgekühlte Mini-Block-Heizkraftwerk bekommen. Rass Spezialsportschuhe aus Schönheide – ein kleines Unternehmen mit 25 Beschäftigten – produziert die Skisprungstiefel für 90 Prozent der Weltelite. Die Firma Aluchrom Hilmersdorf macht dekorative Beschichtungen und hat beispielsweise die weltweit ersten vergoldeten Alufelgen hergestellt. Die GWG Gasflaschenwerk Grünhain GmbH ist bundesweit der einzige Hersteller von geschweißten Gasflaschen, Curt Bauer aus Aue ist ein weltweit bekannter Spezialist für Bett- und Tischwäsche und die Firma Bibliothekseinrichtungen Lenk Schönheide etabliert sich im Bereich des Spezialmöbelbaus als internationaler Einrichter von Spezial­bibliotheken. Man könnte noch viel mehr nennen.

Welche Rolle spielen Wissenschaft und Technik im Erzgebirgskreis.
Frank Vogel: Ich bin etwas traurig, dass wir keinen eigenständigen Hochschulstandort im Kreis haben. Um so wichtiger ist mir die Staatliche Studienakademie in Breitenbrunn, vor allem mit den Studiengängen Industrie, Soziale Arbeit und Tourismuswirtschaft. Viele Firmen decken ihren Bedarf im Bereich Wissenschaft und Technik durch direkte Kooperationen mit den Technischen Universitäten Chemnitz und Dresden, mit der Bergakademie Freiberg oder auch den Hochschulen Mittweida und Zwickau ab. Dabei gibt es Verträge, und von diesem direkten Kontakt zwischen Firmen und Hochschulen profitieren beide.


Welche Branche hat einen rasanten Aufschwung genommen?
Frank Vogel:
Das ist schwer zu beantworten. Wir sind geprägt durch die Branche Metall/Maschinenbau. Diese nimmt etwa 48 Prozent des gesamten verarbeitenden Gewerbes im Kreis ein, und das ist dann wohl auch die Branche, die den rasantesten Aufschwung genommen hat. Dort haben wir die größten Traditionen und Erfolge zu verbuchen, und von daher ist es nur folgerichtig, dass sie die führende Branche in unserem Gebiet ist.

Wie wichtig sind innovative Firmen für den Kreis?
Frank Vogel:
Es ist ein Wettbewerbsvorteil, wenn man in einer Region Menschen mit innovativen Ideen hat. Ich bin darüber froh, das wir in unserer Wirtschaft nur wenige Unternehmen haben, die reine Lohnproduktion bieten. Die meisten Firmen haben sich Nischenprodukte gesucht, bei denen sie sich durch ihre besondere Qualität, ihre besonderen Fertigkeiten oder ihre Fachkompetenz auszeichnen. Das ist unter anderem wichtig, um Krisen meistern zu können, wie sich in den Jahren 2008 und 2009 gezeigt hat.

Wie steht es um Neuansiedlungen im Kreis?
Frank Vogel:
Da muss man ehrlich sein: Ansiedlungen sind immer wünschenswert. Aber ich bin Realist: den Boom der Ansiedler wird es so nicht mehr geben. In den Vordergrund tritt neben der Ansiedlungspolitik die Pflege der bestehenden Unternehmen. Ihr Erhalt hilft, die Wirtschaftskraft im Kreis zu sichern.

Welchen Anteil kann die Verwaltung dabei leisten?
Frank Vogel:
Wir können für ie Unternehmen keine direkte Wirtschaftsförderung betreiben, keine Fördermittel an sie ausreichen. Aber wir können die Rahmenbedingungen für Investoren und Unternehmer schaffen. Wenn beispielsweise jemand eine Investition in unserem Kreigebiet tätigen will, begleiten ihn unsere Mitarbeiter bei der Planung seines Vorhabens und unterstützen beispielsweise bei der Fülle an Genehmigungsverfahren.

Welche Standortvor- und -nachteile hat der Erzgebirgskreis?
Frank Vogel:
Ein Standortvorteil unserer Region ist sicher die höchste Industriedichte im Freistaat Sachsen. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Zahl der Inhaber geführten kleinen und mittelständischen Unternehmen. Diese haben eine hohe Flexibilität und Branchenvielfalt und vor allem eine hohe Kundennähe. Wir sind Standort für Nischenprodukte und Spezialanfertigungen, und wir haben gut ausgebildete Fachkräfte. Diese sind bodenständig, zuverlässig und Problemlöser. Und was wir auch vorweisen können: Wir haben tolle Angebote im Bereich der Kinderbetreuung, was perspektivisch ganz wichtig sein wird. Der größte Nachteil ist für uns die Verkehrsinfrastruktur. Wir verfügen zwar über ein dichtes, aber dafür wenig leistungsfähiges Straßennetz. Es fehlt an einer guten Querverbindung, dringliche Verkehrsprobleme sind die Bundesstraßen 95, 101 und 174. Bei den Staatsstraßen sind es eine ganze Reihe mehr, die uns Probleme bereiten.

Wie wichtig ist es, Werbung für den Wirtschaftsstandort Erzgebirge zu machen?
Frank Vogel:
Ich halte diese Werbung in zweierkei Hinsicht für wichtig: Zum einen für unsere Bevölkerung selbst: Viele wissen nicht, welche Unternehmen es hier bei uns im unmittelbaren Umfeld und in der Region gibt. Das hängt auch mit der Größe des Kreisgebietes zusammen. Wenn man weiß und verinnerlicht, was es bei uns alles gibt, kann man darauf stolz sein, was die Region leistet. Wir werden nach außen hin gar nicht so richtig als Wirtschaftsstandort wahrgenommen, gelten eher als Tourismusregion und Weihnachtsland. Zum anderen ist es wichtig für die Unternehmen selbst: Die Firmenstandorte sind manchmal 500 Meter voneinander entfernt, doch einer weiß vom anderen nicht, was er macht. Vielleicht könnte sich aber eine Zusammenarbeit ergeben, wenn man von der Existenz und den Angeboten seines nächsten weiß.

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